Evangelium-vom-Tag.de

Tägliche Betrachtung zu den liturgischen Tageslesungen.
(Ein kleines Projekt zur Neuevangelisierung - nicht nur im Jahr des Glaubens)
Das Angebot richtet sich an Menschen, die dem Wort Gottes eine angemessene, längere Zeit widmen möchten - es ist also kein schnelles "Mc-Evangelium" im "Fastfood-Trend", sondern will zu intensivem Betrachten anregen. Die Gedanken hier sind dabei nur anfanghafte Impulse zum tieferen Eintauchen in den Reichtum des Wortes Gottes.
Gottes Segen allen Besuchern.

Auf vielfache Bitten hin haben nun die Vorbereitungen begonnen, die fortlaufenden Betrachtungen in Buchform zu fassen und für den Druck aufzubereiten. Aus Urheberrechtsgründen sind daher nur nur noch Leseproben hier veröffentlicht. Voraussichtliches Erscheinungsdatum des ersten Bandes ist noch nicht festgesetzt.

Freitag, 17. Februar 2012

6. Wo/Jk II - Freitag

Wie im Himmel so auf Erden

Foto: (C) Michaela Voss
Betrachtung zu den Tageslesungen

6. Woche im Jahreskreis - Freitag
1. Lesung:       Jak 2, 14-24.26
Antwortpsalm: Ps 112 (111), 1-2.3-4.5-6 (R: vgl. 1a)
2. Lesung:       
Evangelium:    Mk 8, 34 - 9, 1
Schott

Die Lesung vom heutigen Tag ist eine wunderschöne Zusammenfassung und Brücke zwischen Sein und Tun, zwischen "wie im Himmel - so auf Erden". Ein wacher Geist findet hier sofort die Spannkraft, die sich zwischen den scheinbaren Gegensätzen zu einer gewaltigen Bewegung entwickelt, die Himmel und Erde verbindet. 
Der Glaube ist heilig und notwendig. Im Glauben ist Heil, weil der Glaube von Gott kommt, aus Gott wirksam sein will und zu Gott heimführt. 
Die Werke sind Frucht des Glaubens und gleichzeitig aber auch Samenkorn. 
Was nützt der Boden, wenn nichts wächst? Was nützt demgegenüber die Saat ohne guten Boden? 
Ein Glaube, der nur für sich selbst und privat bleiben will, wird unfruchtbar und verliert seine Kraft. 
Werke, die nicht in der Gnade des Glaubens aus Gott heraus und nicht auf ihn hin geordnet sind, werden zu beinahe wertlosem Aktionismus, der vielleicht gerade für einen Augenblick aufglimmt, dann aber ebenso schnell verlischt und keinen Ewigkeits-charakter besitzt. 
Wenn der Glaube als Gabe Gottes "privatisiert" wird, keine Gestalt im Werk bekommt, ... ist das wie die Verhinderung der "Menschwerdung Gottes", denn sogar der allmächtige Gott hat "Fleisch angenommen", um unter uns zu wohnen und uns an sich zu ziehen.



Bild: www.juanna.ch
Wie wunderbar ist da die Vaterunserbitte, in der wir täglich beten: "Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden." 
Die Ewigkeit bricht in unsere Zeit hinein und will gleichsam im menschlichen Werk "Fleisch annehmen", damit das Menschenwerk das göttliche Angesicht tragen darf. Wie wunderbar! Das ist, als ob IMMER "Weihnachten" sein dürfte! 

Glaube und Werk gehören zusammen, wie Gott und Mensch - wie Baum und Frucht und Same für neue Bäume, Früchte und neue Samen für neue Bäume, ...

Es ist das göttliche Geheimnis der Dreifaltigkeit, 
in der aus dem Vater der Sohn hervorgeht, 
der im Geist den Vater verherrlicht, der den Sohn sendet, 
der den Geist sendet, 

damit der Vater erkannt wird, 
der im Sohn sichtbar wurde, 
den uns der Geist stets neu offenbart, 

damit wir zum Vater kommen, 
der uns im Sohn erlöst hat, 
damit wir den Geist empfangen können, 

der uns zu Kindern des Vaters macht, 
weil der Sohn uns die Kindschaft geschenkt hat, 
im Geist, der in uns wohnen will, ...

Unendlichkeit der Gnade!
Himmlische Wahrheit! 
Licht aus der ewigen Seligkeit ... 
und wir dürfen dies in unserem Leben 
stets neu empfangen, 
um es zu geben, 
damit wir wieder mehr empfangen können, 
um mehr zu geben, 
denn das lässt uns weit werden, 
um noch Größeres zu empfangen, ...


Postkarte: www.agnus-dei-verlag.de
Im heiligen Evangelium hören wir heute von den vier Schritten der Nachfolge.
1. Wer mein Jünger sein will
2. der verleugne sich selbst
3. nehme sein Kreuz auf sich
4. und folge mir nach.

Wir denken meist anders herum: Zuerst meinen wir, dass wir Jesus schon nachfolgen und wenn dann das Kreuz kommt, dann ist das schon so eine Sache, die man mehr oder weniger zähneknirschend "auch noch" mitschleppt und lieber los hätte. Wenn dazu auch noch Selbstverleugnung gefordert ist, sind wir über-fordert, weil wir keine Ahnung haben, was das ist und nur frustriert mutmaßen, dass man hier das "Dummchen" spielen muss und sich "unter Wert verkaufen" soll, was uns komisch vorkommt - und ja auch wirklich komisch wäre, wenn es so von Gott gemeint wäre - was es aber nicht ist. Gott sei Dank!
Und dann, am Schluss überlegen wir uns voller Erschrecken, ob wir das wirklich gewollt haben können, ob das wirklich unsere Wahl war, ob wir wirklich so leben wollen und bekommen einen riesen Schrecken oder fangen gar mit Gott zu hadern an, dass er uns überrumpelt hat, dass wir doch keine Ahnung hatten, ...

Jesus erklärt seinen Jüngern das 4-Stufen-Modell der Nachfolge.
1. Die Entscheidung.
Hier ist der erste Schritt vielleicht nicht ganz so offensichtlich, denn vor der Entscheidung kommt die Entscheidungsfindung und die ist hier ganz klar nicht allein als Menschenwerk gedacht. Es sind "seine" Jünger - d.h. vor der Entscheidung steht die Berufung und die Gnade der Erwählung. Das kann uns sehr hoffnungsfroh werden lassen, denn der erste Schritt ist der "Schritt Gottes auf den Menschen hin". 
Jesus reicht dem Menschen voll Güte und Erbarmen die durchbohrte Hand und Gott selbst fragt wie vor Bräutigam die Braut: "Willst Du ... dem hier anwesenden Sohn Gottes auf ewig angehören und ihm nachfolgen ... in guten, wie in schlechten Tagen, ... bis dass der Tod euch untrennbar in himmlischer Herrlichkeit vereint und vollendet ...?"
Der Wille ist wie in der Lesung ein Mischung aus Gnade, die bereitet und vollendet und der eigenen Zustimmung. Darum dürfen und sollten wir Gott immer neu bitten, dass er uns die Gabe schenke, "ihn wollen zu können", "seinen Weg wollen zu wollen", denn das schenkt uns in Überfülle, was wir aus uns alleine niemals zustande bringen können. 
Ein Samenkorn ohne Boden wächst nicht - hat es jedoch guten Boden, trägt es reiche Frucht nach Wachstum und Blüte. Eine Entscheidung aus der Gnade heraus wird wunderbar wachsen, blühen und Frucht bringen.
Erbitten wir also vom Herrn, dass wir "im weißen Gewand der Gnade" (das wir im Sakrament der Versöhnung stets neu empfangen dürfen), reich geschmückt und bereitet zur "Vermählung" (bes. im Sakrament der hl. Eucharistie und den anderen Gnadenangeboten) unser "Ich will!" sprechen können, das stets neu der "erste Schritt" der Nachfolge sein will.
Es geht übrigens um Nachfolge - das bedeutet "viele Schritte" und nicht nur eine einmalige Sache - also Mut und Geduld, wenn der Weg erst beginnt, nach dem "ersten Schritt" und man plötzlich merkt, dass es immer wieder von vorne beginnt - bei "jedem weiteren Schritt".

2. Selbstverleugnung
Hier ist nicht die Lüge gemeint, die so tut, als wäre man dümmer, schlechter, ... und mit der man sich selbst und andere betrügt. Selbstverleugnung ist auch keine gewaltsame Selbstverstümmelung im Geiste ...! Hier herrschen meist sehr verrückte Meinungen.
Selbstverleugnung zusammengefasst meint die Fähigkeit, sich in die Ordnung der Wahrheiten einzufügen, die uns zurücktreten lässt, um Gottes Herrlichkeit und Wahrheit den Vortritt zu lassen. 
Selbstverleugnung ist die Fähigkeit, das eigene Selbst in der Wahrheit zu betrachten, die sowohl die Gaben, als auch die Schwächen (an-)erkennt, aber dies nicht zum "letzten Schluss" aller Dinge macht, sondern sich geborgen weiß, in Gottes Erbarmen und Gnade. 
Dann ist Selbstverleugnung ähnlich wie die Demut keine destruktive, lügenhafte Selbstzerstörung, ... sondern eine tiefere Liebe zur Wahrheit, Freiheit aus der Wahrheit, ...
Selbstverleugnung ist die Befähigung, sich zurück zu nehmen, wenn es angemessen ist, sich zu vergessen, um dem Größeren aus Gott den Vortritt und alle Aufmerksamkeit zu schenken.
Selbstverleugnung ist dann auch die Fähigkeit, das Maß Gottes als höchstes Maß anzuerkennen und von den eigenen, beschränkten, kleinkarierten, kurzsichtigen, ... Maß Abstand zu bekommen.
Selbstverleugnung ist nicht "Selbst-verneinung", sondern "Selbstverwirklichung" im Vollsinn, denn sie führt und über unsere Beschränktheit (in unserer Ich-Sucht und unserer Verkrümmung in uns selbst ...) hinaus in die Weite der Ewigkeitswerthaftigkeit und der Sinnhaftigkeit aus der Gottesschau, die uns vollendet. ...
Die Gnade will uns also befähigen, unser "Ich will!" zu sprechen und dann im zweiten Schritt über unsere Beschränkung hinaus immer mehr in die Weite Gottes zu wachsen, die uns mit unfassbarer Gnade ausstatten will.
Das ist auch nötig, denn der dritte Schritt soll ja darauf folgen (und wohlgemerkt wiederholen sich diese Schritte auf dem Weg der Nachfolge immer wieder!)

3. Das Kreuz auf sich nehmen
Die "Wissenschaft des Kreuzes" ist von solch einer Fülle an Weisheit und Wahrheit, dass man in der Ewigkeit kaum wird ausschöpfen, wovon hier die Rede ist!
Wir neigen dazu, uns unsere Kreuze in "Katalogen" zu suchen, und dann "Kreuz-shopping" zu praktizieren. Es soll attraktiv, günstig, nicht zu schwer, tragbar, passend, dekorativ, ... sein. Wir lieben es, wenn wir uns selbst ein Kreuz aussuchen können - am besten das eines Anderen, das die Gewähr trägt, dass wir es niemals bekommen können und darum auch im Sicherheitsabstand "nachweinen" können, was uns niemals verletzen und berühren kann. 
Aber Jesus ruft die Jünger auf, jeweils "sein" eigenes Kreuz auf sich zu nehmen.
Man muss also nicht "shoppen" gehen, keine frommen "Kreuz-Theorie-Kataloge" oder "Welches-Kreuz-passt-zu-meinem-Typ-Magazine" wälzen, sondern was sich täglich anbietet, das ist es, was Jesus meint. 
Jesus bittet uns, dass wir die nervige Nachbarin heute mit Güte und Erbarmen ansehen und uns fragen, warum ihr Herz so wund ist und wie wir ihr helfen können - wenigstens in Geduld und im Gebet. 
Jesus bittet uns, dass wir die Unverschämtheit eines Menschen nicht mit gleicher Münze, mit Zorn, mit Selbstrechtfertigung, ... heimzahlen und uns ebenfalls versündigen, sondern das "ungerechte Kreuz und ungerechte Urteil" so wie er erst einmal zur Erlösungsstätte tragen, damit zuerst denen vergeben wird, die an uns Unrecht tun, bevor wir dann aus der Not auferstehen dürfen - am 3. Tag - mit Jesus. Wir wollen nämlich immer "sofort" alles "geregelt" haben und doch folgt die Auferstehung und damit die Erlösung erst nach einigen Tagen und nach dem "sterben" - und zwar "für die anderen!" ...
Jesus bittet uns, dass wir die Krankheit, den Schmerz, das Leid, ... die uns gerade begegnen, nicht ignorieren, nicht nur los werden wollen, aber auch nicht festhalten wollen, ... sondern dass wir alles mit der Gnade der Erlösung wandeln lassen, allem den Ewigkeitswert abringen, im Opfer, im Ertragen, in der Bemühung eine Lösung und Heilung zu suchen, ... eben in ALLEM Gott zu verherrlichen. 
Das bedeutet dann auch, dass wir nicht leiden müssen, um des Leidens willen, sondern dass wir dem Leid eine Gnade abringen dürfen und uns ganz und gar im Heil Gottes wiederfinden dürfen, das nichts verloren wissen will, sondern alles dienstbar macht.

4. So folge er mir nach.
Diese ersten drei Schritte führen uns in die Nachfolge: Von Gott das "Wollen" erbitten, empfangen und dann auch tun - in der Ordnung der Wahrheit Gott immer den Vortritt lassen und aus der größeren Wahrheit heraus zu leben - jede Gelegenheit nutzen und dienstbar werden lassen - und dann weiter, Schritt für Schritt diese Wirklichkeit neu in unserem Leben einüben, Gestalt annehmen lassen und so hinein wachsen und Jesus nach-gehen, nach-folgen.
In einer solchen Haltung, die stets eine tiefere Freude und Freiheit bewirkt, werden wir in den Fußspuren Jesu bleiben können.
Maria - die Mutter des Herrn ist hier das vollkommene Beispiel für diese 4-Schritte-der Nachfolge und wenn wir Maria und ihre Nachfolge betrachten, dann ist das ein unerschöpflicher Reichtum an Weisheit und Vorbild! 

Wenn wir etwas nur um unseretwillen erstreben, wird es keinen Bestand haben, denn wir sind zu arm, zu gebunden, zu gebrochen!
Wenn wir jedoch um Gottes Willen, mit seiner Hilfe, in der Vollmacht und Herrlichkeit seiner Gnade und seines Erbarmens etwas erstreben, dann wird es aus Gott heraus und auf Gott hin jene Größe und Kraft empfangen, die Bestand verleiht.
Der Mensch und die Schöpfung allein ... sind vergänglich und es fehlt die "Reichweite". 
Ist unser Leben und alles, was wir zu Jesus tragen, ... durch die Gnade Gottes gewandelt, ... hat es erst einmal Ewigkeitswert ... dann kann nichts mehr verloren sein, sondern ist sogar im scheinbaren Verlust erst gewonnen, da selbst der Tod nur die kostbare Pforte für die Ewigkeit ist, die dann zur vollen Entfaltung führt, was auf Erden erst anfanghaft einen Funken des ewigen Lichtes getragen hat.
Das ist gemeint, wenn Jesus vom retten und verlieren des Lebens spricht.
Das ist das Leben, das uns verheißen ist, das Leben, das keinen anderen Preis kennt, als das Erlöserwerk des Herrn und in dem wir in Ewigkeit teilhaben dürfen an Gott.

Wir wollen zu denen gehören, die nicht sterben müssen, um das zu schauen!
Wir wollen heute ganz neu beginnen, und täglich wieder, das Reich Gottes in unserem Leben und im Leben derer, die wir zu Jesus tragen, ... in all seiner Macht bestaunen, wenn wirksam wird, was die Gnade uns schon jetzt, schon heute, schon hier in dieser Welt schenken will.
Wir wollen schon heute schauen, was wir in Ewigkeit staunend preisen werden: Die Weisheit des Heiligen Kreuzes, das die Wandlungskraft besitzt, schon hier auf Erden alles mit Ewigkeitswert und Ewigkeitsglanz zu erfüllen.

"Vater unser im Himmel ... Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden!"

(C) 17.02.2012 Michaela Voss
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