Evangelium-vom-Tag.de

Tägliche Betrachtung zu den liturgischen Tageslesungen.
(Ein kleines Projekt zur Neuevangelisierung - nicht nur im Jahr des Glaubens)
Das Angebot richtet sich an Menschen, die dem Wort Gottes eine angemessene, längere Zeit widmen möchten - es ist also kein schnelles "Mc-Evangelium" im "Fastfood-Trend", sondern will zu intensivem Betrachten anregen. Die Gedanken hier sind dabei nur anfanghafte Impulse zum tieferen Eintauchen in den Reichtum des Wortes Gottes.
Gottes Segen allen Besuchern.

Auf vielfache Bitten hin haben nun die Vorbereitungen begonnen, die fortlaufenden Betrachtungen in Buchform zu fassen und für den Druck aufzubereiten. Aus Urheberrechtsgründen sind daher nur nur noch Leseproben hier veröffentlicht. Voraussichtliches Erscheinungsdatum des ersten Bandes ist noch nicht festgesetzt.

Samstag, 13. April 2013

2. Wo. der Osterzeit - Samstag

Zur rechten Zeit  

2. Woche der Osterzeit - Samstag

1. Lesung:       Apg 6, 1-7
Antwortpsalm: Ps 33 (32), 1-2.4-5.18-19 (R: 22)
2. Lesung:       
Evangelium:    Joh 6, 16-21
Direkt zum      Schott-Messbuch

In der Lesung hören wir, dass es auch in der Urgemeinde bei allem guten Willen immer wieder Probleme gab. Je größer die Gemeinde wurde, umso mehr veränderten sich auch die praktischen Erfordernisse. Es ist das Prinzip des Wachstums, der Veränderung, die aus der Wurzel treibt, wächst, blühen und Früchte bilden will, um in stetiger Erneuerung weiter zu wachsen. 
Das geht nicht, wenn man fatalistisch die Wurzeln abtrennt, es geht aber auch nicht, wenn man jeden neuen Trieb abschneidet und jede Blüte abzupft oder versucht, sie vorzeitig zu öffnen. Auch die Früchte schmecken erst in der Reife und wollen zur rechten Zeit geerntet werden. 

Nie sollen wir voreilig sein oder zu spät - sondern den Willen Gottes zur rechten Zeit in Demut und Gelassenheit erkennen und dann tun, was angemessen ist. 
Die Apostel bedauern nicht übermäßig und lange und sie fürchten auch nicht künftige Probleme, die entstehen könnten, wenn das, was jetzt beschlossen wird, vielleicht dann eines Tages auch nicht mehr ausreichen mag.

Wie wichtig das für uns ist!
Nicht lange bedauern und sich in alten Geschichten festbeißen. Wenn ein Unmaß, eine ungute Situation, wenn die Erkenntnis von Schuld oder Sünde sich uns offenbaren, dann brauchen wir nicht unangemessen lange darüber lamentieren und herum jammern oder gar uns in der Suche nach Schuldigen und Ursachenforschung aufhalten lassen.
Wenn wir erkennen dürfen, wo es fehlt, dann ist uns die Gabe angeboten, im Geist Gottes die Veränderung, die Umkehr, die Erneuerung im rechten Augenblick zu empfangen.
Nicht voreilig und dadurch dann nur halb - aber auch nicht zu spät und dann ebenfalls nur halb.
Im rechten Augenblick die Gnade wirken lassen, das ist es, was wir lernen dürfen.

Das Maß für die Änderung ist der Auftrag Gottes - in diesem Fall "Gebet und Dienst am Wort" für die Einen und der "Dienst an den Tischen" für die Anderen. 

Nicht immer müssen alle alles machen, sondern in der immerwährenden, inneren Bereitschaft, den Anregungen des Heiligen Geistes zu folgen, dürfen wir uns täglich von Gott neu beschenken lassen und wachsen, reifen, die Veränderungen als Geschenk und als Gabe kennen lernen. Vor Gott gibt es nicht die "Gleichberechtigung" der Gender-Wahn-Welt, sondern die heilige Würde der Einzigartikeit in Vielfalt und die einzige "Gleichheit" besteht darin, dass wir alle geliebt sind - und das so sehr, dass wir einmalig, erstmalig und letzmalig in unserer Berufung in die Schöpfungsgeschichte hineinstrahlen und hineinwirken dürfen, was allein uns anvertraut ist! Niemals kann ein Mensch ersetzt werden, weil wir eben nicht "gleich" sind, obschon alle unsagbar geliebt!
Da ist es ungemein wichtig, nicht den "eigenen Vogel" (die eigenwilligen Vorstellungen und Ideen) mit dem Heiligen Geist zu verwechseln! 
Berufung ist eben nicht das Gleiche wie "Jobwahl"! 
Berufung lebt von der Antwort und nicht vom Anspruch des Menschen!
Berufung ist Gesendet-Sein und nicht Sich-Vorbehalten-Wollen!
Berufung ist Hingabe und nicht Kommandozentrale-in-Besitz-Nehmen-Wollen!
Berufung ist Ergriffen-Sein und nicht Sich-Selbst-Bedienen und Stehlen!

Jede Situation kann und will uns dienen, da wir berufen sind, Gott zu dienen. Selbst Schuld und Fehler dürfen uns bewusst werden, nicht damit wir daran verzweifeln und Schuld zuweisen, sondern damit wir umkehren und uns erneuern lassen! Alles, alles, alles will uns helfen, dass wir wachsen und reifen und hinein finden, in die vollendete Gestalt Christi, in die wir gewandelt werden dürfen!
Alles soll jedoch immer in der Ausrichtung der Hoffnung, des Glaubens und der Liebe, im Blick auf Gottes Auftrag und mit der Bitte um seinen Segen im Gebet und im Dienst am Anderen stehen. 
Das ist ein wichtiges Unterscheidungskriterium! 
Geht es bei unseren Bemühungen um Gottes Ehre und Auftrag, um den Dienst der Hingabe am Anderen, oder um unser Recht und Wohlsein und unsere Bedürfnisse? 
Geht es um echten Fortschritt im Sinne eines "Hintzutretens zum Thron der Gnade", um echte Umkehr und Hinkehr zu Gott, um ein "Fort-Schreiten" hin zu einem selbstlosen Hingeben des eigenen Lebens, ... oder um die Ansprüche unserer Rechtsvorstellungen und unserer Ziele?
Geht es um die echte Freiheit, die sich im Gehorsam ganz Gottes Willen neigt, oder geht es um die falsche "Freiheitsidee", die sich in Ungehorsam rebellisch aufbäumt und nur alles ändern will, um Recht zu haben, um zu nehmen, um zu machen, und selber zu tun, ... statt zu empfangen, sich einfügen zu lassen und dem gehorsamen Sohn Gottes in der Hingabe des Lebens bist ans Kreuz zu folgen um so auch in ihm den Glanz und das Wunder der Auferstehung zu spiegeln, die so ganz anders sind, als alle Weltweisheit...!

Das sind Gerechtigkeit und Recht Gottes, die der Antwortpsalm preist!

Das Evangelium heute erzählt eigentlich von den Zeiten im Leben, die nie ausbleiben - den stürmischen Zeiten. Die Jünger sind wohl "spät dran" und wollen dorthin, wo sie Jesus treffen. "Als es aber spät geworden war, gingen seine Jünger zum See hinab, bestiegen ein Boot und fuhren über den See, auf Kafarnaum zu. Es war schon dunkel geworden, und Jesus war noch nicht zu ihnen gekommen."
Wenn man dann schon einmal spät dran ist - wie soll es anders sein - kommt auch noch der Sturm dazu. Wie oft denken auch wir im Leben: "Jetzt kommt wieder alles zusammen." 
Etwa 4,5-5,5 km waren sie gefahren, als sie Jesus sehen, der über den See auf das Boot zukommt und sie fürchten sich. 
Das kann man sich gut vorstellen. Dunkelheit, ein Sturm auf dem See und dann die Unmöglichkeit, dass ein Mensch übers Wasser auf sie zukommt. Da zweifelt man doch am eigenen Verstand und denkt sich, dass man kurz vor dem Durchdrehen ist, oder? "Der See ist mit 212 m unter dem Meeresspiegel der tiefstgelegene Süßwassersee der Erde (jedoch nicht der See mit dem tiefsten Grund)" (Quelle: Wikipedia)
Wenn wir also gleichsam am "Tiefpunkt unserer Oberflächlichkeit" angekommen sind, wenn es dunkel ist und stürmisch, dann ist es verwirrend, wenn uns jemand die Nähe Gottes zusagt. 
Es ist dann, als ob Jesus übers Wasser auf uns zukommt - eigentlich unmöglich - und wir wünschen uns dann nur noch, dass alles irgendwie wieder normal wird. Wir wollen wie die Jünger "Jesus ins Boot holen".

Der Herr ruft uns zu, dass wir uns nicht fürchten müssen. Aber wie oft sind wir so durcheinander, dass wir gar nicht begreifen, was er uns sagt. 
Wir wollen, dass er vom Wasser in unser Boot kommt. 
Warum? Weil er sonst untergeht, oder unser Verstand? Weil der Herr sonst ertrinken könnte, oder unsere weltliche Logik "absäuft"?

Gott soll dann in unser Chaos gleichsam "einsteigen" - das wünschen wir uns so sehr, denn wir hoffen, dass uns das dann beruhigen könnte.
Der Herr soll "einsteigen"? 
Im anderen Evangelium vom Sturm auf dem See "steigt Petrus aus"!
Doch hier geschieht noch etwas Anderes - sie sind am Ziel - als sie hören: "Ich bin es; fürchtet euch nicht!"
Jesus ist hier gleichsam Ziel und Ufer, Sicherheit im Chaos. Jesus kommt nicht "ins Boot", sondern holt sie "an Land". Jesus stillt nicht den Sturm, sondern holt sie aus dem Wasser. 

"Ich bin es; fürchtet euch nicht!"
Wo auch immer wir sind, was auch immer geschieht - der sichere Grund, das Ufer, das Land und die Rettung im Sturm.
"Ich bin es; fürchtet euch nicht!"

Halleluja. Halleluja.
Christus ist auferstanden: Er, der Schöpfer des Alls, hat sich aller Menschen erbarmt. Halleluja.


Gebet:
HERR! Lass uns zur rechten Zeit
den Augenblick der Gnade erkennen
und aus der Gnade heraus tun, 
was diesem Augenblick DEINEM Plan entspricht.
HERR! Rette uns
aus den Stürmen der Zeit,
und schenke den Glauben,
der über das aufgewühlte Wasser gehen kann,
den Frieden, der den Sturm überwindet,
den Boden, auf dem wir sicher ankommen, 
wenn wir auf DICH blicken 
und aus DEINEM Mund hören dürfen:
"ICH BIN es; fürchtet euch nicht!"
DU bist das Maß
DU bist der Ursprung und das Ziel,
DU bist der Weg auch in Weglosigkeit,
DU bist der Boden auch dort, wo wir zu versinken drohen.
DU bist es!
Sei gepriesen und verherrlicht 
in Ewigkeit.
Amen.

© 12.04.2013 / 21.04.2012 Michaela Voss 
Die Gedanken und betrachtenden Texte dieser Seiten unterliegen dem Urheberrecht und verstehen sich als persönliche und private Impulse zum Nachdenken (unbeschadet der unbeschränkten Anerkennung aller kirchlichen Lehräußerungen).



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