Evangelium-vom-Tag.de

Tägliche Betrachtung zu den liturgischen Tageslesungen.
(Ein kleines Projekt zur Neuevangelisierung - nicht nur im Jahr des Glaubens)
Das Angebot richtet sich an Menschen, die dem Wort Gottes eine angemessene, längere Zeit widmen möchten - es ist also kein schnelles "Mc-Evangelium" im "Fastfood-Trend", sondern will zu intensivem Betrachten anregen. Die Gedanken hier sind dabei nur anfanghafte Impulse zum tieferen Eintauchen in den Reichtum des Wortes Gottes.
Gottes Segen allen Besuchern.

Auf vielfache Bitten hin haben nun die Vorbereitungen begonnen, die fortlaufenden Betrachtungen in Buchform zu fassen und für den Druck aufzubereiten. Aus Urheberrechtsgründen sind daher nur nur noch Leseproben hier veröffentlicht. Voraussichtliches Erscheinungsdatum des ersten Bandes ist noch nicht festgesetzt.

Samstag, 20. April 2013

3. Wo. der Osterzeit - Samstag

Früchte, Reife und das Geheimnis der Liebe 

Karte © Michaela Voss www.agnus-dei-verlag.de

3. Woche der Osterzeit - Samstag

1. Lesung:       Apg 9, 31-42
Antwortpsalm: Ps 116 (115), 12-13.14-15.6-17 (R: 12)
2. Lesung:       
Evangelium:    Joh 6, 60-69
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In der heutigen Lesung wird uns vom Fundament der Kirche Zeugnis gegeben: es ist die Hilfe des Heiligen Geistes, der wirkte, wo die Kirche Gottes in der Furcht vor dem Herrn lebte und in ihm gefestigt wurde. 
Wie kostbar ist dieses Zeugnis für uns heute und wie aktuell. Friede ist eine Frucht des Geistes, die im Heiligen Geist wirksam ist. Das bedeutet aber nicht, dass es immer nur "Frieden" nach außen geben muss, wie wir das fälschlicherweise oft denken. Der Friede Gottes ist mehr, als nur Gemütlichkeit! Der Friede Gottes kann im tiefsten Schmerz, im Kampf, in Not und Kreuz, im Ringen und im Alltagsmühen wirksam sein und all dies heiligen, wandeln und durchstrahlen, so dass wir in all diesen Dingen niemals den Blick auf Gott verlieren, sondern im Herrn gegründet sind und so alles überwinden. Diesen Frieden kann man nicht machen, nicht herbeidiskutieren, nicht zwingen, ... sondern erbitten und empfangen, denn er ist Gabe und Frucht des Geistes Gottes. 
Da er "Frucht" ist - steht er meist nicht gleich am Anfang, sondern als Frucht in Reife auch im geistlichen Leben. Wer glaubt, dass man immer schon die Früchte ernten und genießen kann, noch bevor das Samenkorn sich in die Erde senken lässt, bereit zum sterben ist, sich selbst hingibt, ... wer denkt, dass man nicht das Wachstum, die Pflege in Geduld, die nötigen Hilfen und "Beschneidungen", ... des Glaubens- und Lebensbaumes erst erfahren wird, ... sondern meint, dass man die Früchte von den Wurzeln erntet, oder dass die Früchte vor den Blüten zu ernten sind, ... der wird ständig neu enttäuscht sein.

Früchte brauchen Wachstum und Reife und die Frucht des Friedens wächst vor allem aus den Blüten der Opferbereitschaft und Hingabe im Gehorsam. 
In der Sonne der Liebe und Güte Gottes, getränkt vom Wasser der Gnade und des Erbarmens ... wächst der Friede im Herzen des Menschen als köstliche Frucht aus den Gaben des Heiligen Geistes in unserem Leben.

Es gibt Blütezeiten, Reifezeiten, Erntezeiten und es gibt auch Zeiten, in denen es so aussehen mag, als ob der Baum des Glaubenslebens abgestorben ist. Dabei ist er nicht tot, sondern sammelt und bewahrt die Kraft für den neuen Frühling tief innen, bis die Tage wieder länger werden und die Zeit für neue Blüte, für neues Wachstum und neue Reife gekommen sind.
Die Kirche hatte Frieden. Der Weg dorthin war stürmisch und nicht immer einfach. Doch sie wurden gefestigt und lebten in der Furcht vor Gott. Diese Furcht ist keine Angst, sondern eine Form der Ehr-Furcht, der Achtsamkeit, der Dankbarkeit und des Gehorsams ...!
Diese Grundlagen bieten einen guten Boden für die Wirksamkeit des Heiligen Geistes und so konnten sie Wachstum empfangen.
Wäre das nicht ein neues und doch bewährtes Konzept für alle geistlichen pastoralen Bemühungen in unserer Zeit? 

Weiter hören wir von einer Heilung und einer Totenerweckung durch Petrus. Dabei ist auffällig, was die Lesung als Zusammenfassung zu diesen Wundern zu sagen hat: "Das wurde in ganz Joppe bekannt, und viele kamen zum Glauben an den Herrn."
Es geht hier nicht so sehr um die Besonderheit, dass ein gelähmter, bettlägriger Mann sofort, ohne lange Diskussion oder Zweifel einfach auf das Wort des Petrus hin aufsteht. 
Was hier als tieferes Wunder und als Folge dieser Heilung beschrieben ist, das ist die Bekehrung all derer, die das erlebten. Das Wunder am Gelähmten ist nur wie ein erster "Dominostein", der eine ganze Reihe von Wundern anstößt, die letztlich die eigentliche "Bewegung im Heiligen Geist" sichtbar werden lassen, denn die Bekehrungen sind ein mächtiges Zeugnis. Jedes leibliche Wunder unterstützt und fördert das geistliche Wunder! 
Ein einzelnes Heilungswunder ergibt hier viele Bekehrungswunder.
Das ist echte Heilung durch Gottes Kraft und Gnade, denn es bringt Frucht für die Ewigkeit, nicht nur eine vorübergehende Situationsverbesserung für das Leben eines Menschen.

Das zweite Wunder ist wesentlich dramatischer und ausführlicher dargestellt, denn hier kniet Petrus alleine bei einer Toten vor Gott nieder und betet. Dann spricht er die Tote bei ihrem Namen an und sagt ihr, dass sie aufstehen solle - und sie öffnete ihre Augen und setzte sich auf. Petrus nimmt ihre Hand und hilft ihr aufzustehen. Allein schon diese detaillierte Beschreibung birgt große Schätze der Erkenntnis über das vollmächtige Gebet, über die rechte Reihenfolge usw. 
Auch hier ist die Zusammenfassung und die Wirkung des Wunders in einem einfachen Satz bezeugt: "Das wurde in ganz Joppe bekannt, und viele kamen zum Glauben an den Herrn." 
Dieser Ort war wohl sehr gesegnet, denn auch auf dieses Wunder hin folgten weitere Wunder, die eigentlich dem Ursprungswunder hier sehr ähnlich waren: Es wurden "geistlich Tote zum ewigen Leben erweckt", denn der Glaube schenkt ewiges Leben in der Erlösung Jesu.

Wo zuerst ein Lahmer aufsteht und dann eine Tote, da folgen "Lahme und Tote im Geiste" durch die Kraft und Macht des Zeugnisses von Gottes Wirken nach und werden geheilt und erweckt.
Das äußere Wunder wird zum inneren Wunder. Die Natur erfährt zuerst Heil und Erweckung, damit die Übernatur folgen kann. Der Leib erfährt zuerst Heil und Erweckung, damit die Seele folgen kann und Gottes Macht anerkennen lernt und vom äußeren Zeugnis zur inneren Wirksamkeit findet.
Wie viel tiefer sind doch die Wunder Gottes, als bloße Verbesserung und Hilfe in diesem Leben!

Der Antwortpsalm preist die Güte Gottes und seine Hilfe. Es ist die Dankbarkeit, die nach einer Ähnlichkeit sucht, nach einer Form der Entgegnung und Antwort auf die Gnade: "Wie kann ich dem Herrn all das vergelten, was er mir Gutes getan hat?"
Die Antwort findet der Mensch hier im Bild des Kelches, das Feier und Opfer, das Fülle und Hingabe ... offenbart. Die Erfüllung der Gelübde, die Treue, das Zeugnis "offen vor dem ganzen Volk", die Bereitschaft der Lebenshingabe, ... das alles will Antwort sein auf Gottes Liebe.
Der letzte Vers drückt es so aus: "Ich will dir ein Opfer des Dankes bringen und anrufen den Namen des Herrn." 



Karte © Michaela Voss www.agnus-dei-verlag.de
Im heiligen Evangelium offenbart sich uns die wahre Größe der wahren Wunder Gottes in aller Deutlichkeit, wenn Jesus sagt: "Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben." 

Viele Jünger wollten nichts davon hören, dass der Herr von seinem Fleisch und Blut als Speise sprach. 
Immer ist der Mensch am Murren und am Kritisieren. Immer wollen wir Gott verbessern, wollen alles verstehen und begreifen und wo sich uns ein Geheimnis eröffnet, werden wir ganz schnell ehrfurchtslos, undankbar und störrisch. 
Man muss sich das schon einmal klar machen: Jesus öffnet den Jüngern das Herz Gottes, die ganze Liebe Gottes, die sich in völliger Hingabe dem Menschen anvertrauen will. 
Was für ein Bekenntnis der Liebe! Was für ein Vertrauen und was für eine unglaubliche Offenbarung Gottes, der sich wortwörtlich mit Leib und Blut hingibt ...! 
Und was machen diese Jünger - was machen wir so oft? Sie meckern, motzen, kritisieren, wissen alles besser, ...! Wie schmerzlich mag das für die Liebe sein, die sich verschenken will und hier mit so grober, egoistischer Gemeinheit zurück gewiesen ist!
Jesus fragt sie, wie sie denn die Gabe Gottes, die Auferstehung, die Wandlung der menschlichen Natur zurück in die himmlische Vollkommenheit ertragen und begreifen wollen, ... wenn sie schon die Liebe ablehnen, die sich bis in den Staub der Erde neigt, um den Menschen zu berühren, aufzuheben ...
Wer kann ermessen, wie sehr hier die Sehnsucht und Liebe Gottes mit Füßen getreten ist, wie unsagbar die Demut Gottes sich erniedrigt und gleichsam vor dem Menschen in die Knie geht, damit er doch annehmen möge, was ihn heilen und ewig erheben will!
Was für eine Geduld, was für eine Liebe, die sich treten lässt, die sich verlachen und kritisieren lässt, die sich als "unerträglich" betiteln lässt!

Jesus zieht sich jedoch nicht beleidigt zurück und sagt: "Na gut - wenn ihr nicht wollt - bitte schön, dann eben nicht!" Nein! Was tut der Herr?
Er geht noch einen Schritt weiter und offenbart den Geist Gottes, das Geheimnis des Wortes, das Geist und Leben ist, ... offenbart das Leben nochmal und nochmal und nochmal.
Die getretene, verachtete Liebe hört nicht auf, zu rufen, sich zu opfern und das geliebte Geschöpf zu suchen! Der Vater ist es, der in Sehnsucht im Sohn ruft und im Geist schenken will, was uns aus all unserer Gebrochenheit, aus all unserer blinden Egozentrik heraus heben will, hinauf tragen, ins Licht der Gottesebenbildlichkeit, die uns mit dem Herrn eins macht, uns Ihm ähnlich machen will, ...

Treffen uns die Worte des Evangeliums, wenn es dann im Angesicht der ewigen Liebe Gottes heißt: "Daraufhin zogen sich viele Jünger zurück und wanderten nicht mehr mit ihm umher." 
Müssten wir nicht unter Tränen in die Knie gehen?
Müsste es uns nicht das Herz aufbrechen und uns offenbaren, wie oft auch wir dann von Gott weggehen, wenn wir ihn nicht auf Anhieb verstehen, wenn er unbegreifliche Dinge tut?
Müssten wir nicht weinend um Vergebung bitten, wo auch wir einfach den Herrn stehen lassen, weil wir eigene Vorstellungen mehr pflegen, als der Liebe Gottes zuzuhören und uns von ihr anrühren zu lassen, auch und gerade da, wo sie uns noch Geheimnis ist?

Wenn Jesus dann seine Zwölf fragt, ob auch sie gehen wollen - können wir da die Liebe Gottes hören, die bebend und sehnsuchtsvoll die Freiheit lässt und doch hofft?
Können wir fühlen, wie tief die Liebe sich hier erniedrigt und ausliefert?
Können wir erahnen, welchen Preis unsere Freiheit hat und welchen Wert, welche Kraft, welche ewigkeitsverändernde Kraft uns anvertraut ist, in unserem freien Willen?

Wollen auch wir gehen? - wenn die Kirche nicht unseren Vorstellungen entspricht?
Wollen auch wir gehen? - wenn wir nicht verstehen, was Gott mit uns vorhat?
Wollen auch wir gehen? - wenn wir nicht begreifen können, welche Wege Gott gehen will?
Wollen auch wir gehen?

Möge doch der Geist Gottes in uns bereits so mächtig wirksam sein, dass wir wie Petrus bekennen: "Wohin könnten wir gehen? Du Herr allein - in Dir ist das Leben! Du bist mein Leben! Im Glauben bekenne ich: Du bist der Herr, der Heilige Gottes!"


Gebet:

Ewige, heilige Liebe GOTTES!
Schenke uns die Gnade, 
dass wir DICH nicht verlassen, 
wenn wir DICH nicht verstehen!
Schenke uns die Gnade, 
dass wir DICH nicht verraten,
 wenn DU uns Geheimnis bist!

Ewige, heilige Liebe GOTTES!
Vergib uns alle Ignoranz, 
alles Unverständnis und alle Bosheit, 
die DICH anklagt, kritisiert, ... 
an DIR irre wird und DICH nicht verstehen will!
Vergib uns alle Blindheit, alles Unvermögen, 
das DICH aufgibt, 
wo wir DICH nicht sofort begreifen, 
weil wir uns anmaßen, 
alles verstehen und beurteilen zu wollen!
Vergib unsere Ehrfurchtslosigkeit und Undankbarkeit, 
vergib, dass wir DICH verkennen, 
dass wir uns in uns selbst verschließen 
und untreu werden!
Ewige, heilige Liebe Gottes!
Sei gepriesen für DEIN Erbarmen, 
DEIN Geduld und Güte,
sei gepriesen für DEINE Langmut, Nachsicht 
und DEIN in stets neues Gnadenangebot!

Komm, HEILIGER GEIST, 
erfülle unser Herz, 
dass wir in DEINEM Licht und in DEINER Klarheit erkennen, 
welch unfassbare Gnade und Gabe uns anvertraut ist
und hilf uns, 
zu wollen, was DU willst,
zu empfangen, was DU gibst,
zu lieben, was DU schenkst, 
treu zu sein, weil DU treu bist!
Ewige, heilige Liebe GOTTES!
Wandle, heile, heilige uns, 
die wir im kostbaren Blut des LAMMES erlöst 
sind, damit wir im HEILIGEN GEIST 
den VATER verherrlichen 
und lebendiges Lob- und Dankopfer werden.
Amen.


© 20.04.2013 / 28.04.2012 Michaela Voss 
Die Gedanken und betrachtenden Texte dieser Seiten unterliegen dem Urheberrecht und verstehen sich als persönliche und private Impulse zum Nachdenken (unbeschadet der unbeschränkten Anerkennung aller kirchlichen Lehräußerungen).



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