Evangelium-vom-Tag.de

Tägliche Betrachtung zu den liturgischen Tageslesungen.
(Ein kleines Projekt zur Neuevangelisierung - nicht nur im Jahr des Glaubens)
Das Angebot richtet sich an Menschen, die dem Wort Gottes eine angemessene, längere Zeit widmen möchten - es ist also kein schnelles "Mc-Evangelium" im "Fastfood-Trend", sondern will zu intensivem Betrachten anregen. Die Gedanken hier sind dabei nur anfanghafte Impulse zum tieferen Eintauchen in den Reichtum des Wortes Gottes.
Gottes Segen allen Besuchern.

Auf vielfache Bitten hin haben nun die Vorbereitungen begonnen, die fortlaufenden Betrachtungen in Buchform zu fassen und für den Druck aufzubereiten. Aus Urheberrechtsgründen sind daher nur nur noch Leseproben hier veröffentlicht. Voraussichtliches Erscheinungsdatum des ersten Bandes ist noch nicht festgesetzt.

Samstag, 4. Mai 2013

5. Wo. Osterzeit - Samstag

 Zur rechten Zeit - am rechten Ort

5. Woche der Osterzeit - Samstag

1. Lesung:       Apg 16, 1-10
Antwortpsalm: Ps 100 (99), 2-3.4-5 (R: vgl. 1)
2. Lesung:       
Evangelium:    Joh 15, 18-21
Direkt zum      Schott-Messbuch

In der heutigen Lesung hören wir u.A., dass es den Aposteln "vom Heiligen Geist verwehrt wurde, das Wort in der Provinz Asien zu verkünden," 
Es ist ein Geheimnis Gottes, dass es eine "rechte Zeit" und einen "rechten Ort" und ein "zur rechten Zeit  - am rechten Ort" gibt und dass es in Gottes Plänen keine Pauschalität und Vereinheitlichung gibt.
Da regt sich in uns doch gerne die Rebellion. 


  • Warum sollten sie denn eigentlich nicht dorthin gehen? 
  • Ist das wirklich Gottes Geist, der verbietet, dass man das Evangelium in einer bestimmten Region verkünden soll? 
  • Haben die Leute in der Provinz Asien denn kein Recht darauf? Sind sie vielleicht benachteiligt? 
  • Werden da nicht "Randgruppen" gebildet und diskriminiert?
  • Gott kann doch nicht die Verkündigung dort verwehren wollen? 
  • Das ist doch total ungerecht. 
  • Das ist ist ja fast Diskriminierung einer Volkseinheit aufgrund geographischer Benachteiligung. ... Da muss man doch etwas dagegen unternehmen. Da müsste man doch hinterfragen dürfen, ob das wirklich Gottes Plan ist, denn Gott liebt doch alle Menschen, oder? 
  • Warum liebt er dieses Leute dann nicht und will ihnen die frohe Botschaft vorenthalten? 
  • Darf Gott das überhaupt: Einzelnen etwas verbieten, was alle anderen aber haben? ... 
  • Unzählige Fragen und vielleicht sogar Zorn und Trotz oder Ungehorsam könnten hier aufbrechen. 

Doch bei den Aposteln erkennen wir von all dem nichts. 
Sie haben im Heiligen Geist erkannt, dass Gott ihren Dienst dort nicht wünscht und gehen einfach dorthin, wo ihre Verkündigung Segen verheißt, weil Gott sie dorthin gehen lässt.
Dabei ist es nicht so, dass sich Gott der Provinz Asien verweigert hätte - es schien nur nicht der rechte Zeitpunkt, denn später wird von dort immer neu die Rede sein. 

Manchmal braucht es ein weises Abwägen, wohin man geht bzw. wohin man JETZT nicht gehen soll. Wir haben schon oft die Kriterien betrachtet, auf die es dabei ankommt. 


Die Wenigsten von uns werden über Visionen irgendwohin gesendet werden, wie Paulus in seiner nächtlichen Traumvision, als er von einem Mazedonier gebeten wird, zu kommen und zu helfen.
Dennoch hat jeder von uns einen Sensus für den Auftrag Gottes, der mehr oder weniger empfindsam ausgeprägt und geschult ist. 
Es kommt immer darauf an, dass wir den Heiligen Geist und seinen Auftrag beispielsweise erkennen, an dem Frieden im Grund des Herzens, den nur Gott geben kann und den man nicht selbst produzieren könnte.
Es mag sein, dass wir noch ringen, dass es schmerzlich oder selig ist, es kann sein, dass wir gerne gehen, oder dass wir innerlich ein Sträuben empfinden, ... all das kann den wahren Frieden Gottes auf dem Herzensgrund nicht beeinträchtigen - und man weiß dann einfach im tiefsten Inneren, was der Herr erbittet oder auch verbietet - egal, wie die eigenen Befindlichkeiten gerade sein mögen. 
Jeder von uns dürfte und müsste das kennen. Es gibt Entscheidungen, die sind eigentlich bereits tief in uns klar und es braucht wohl mal mehr, mal weniger einen Anstoß, bis wir ihnen dann auch wirklich nachgehen. Im Grunde ist es dann oft nur noch eine kleine Selbstüberwindung die fehlt, oder ein kleiner Mut-Sprung aus Gottvertrauen ... die uns noch fehlen. 
Die rechte Entscheidung ist in uns bereits selbst im Ringen klar und wo wir dem Ruf Gottes folgen, da wird der alles übersteigende Friede Gottes uns durch alle "Achterbahnfahrten" unseres Gemütes begleiten. Wenn wir jedoch gegen Gottes Weisung handeln, wird dieser Friede fehlen, der uns alles überwinden lässt, weil es der Geist Gottes in uns ist, der uns den Sieg über uns und alle Nöte schenkt.

Paulus fragt auch nicht lange, er bricht so bald als möglich auf.
Ein Gotteskind muss sich nicht fürchten, auch einmal etwas falsch zu entscheiden, wenn es im guten Willen um Gottes Ehre geschieht! 
Gott kann und wird uns korrigieren, wenn wir das zulassen. 
Darum müssen wir auch unsere Fehler oder Fehlentscheide nicht fürchten, solange wir bereit sind, uns dann auch in Demut und Bereitschaft der Umkehr anzuvertrauen.
Heute herrscht leider eine chronische Unentschiedenheit, die viele Ursachen hat. Dazu gehören vor allem: 
  • Stolz (der lieber nichts tut, als etwas, das dann Demut und Zugeben der eigenen Schwäche bedeuten könnte ...)
  • Egoismus (der nur den eigenen Vorteil sucht und solange der nicht eindeutig zu finden ist, lieber gar nichts wagt, was vielleicht Selbstlosigkeit ... fordern könnte)
  • Trägheit (die immer nur abwartet und hofft, dass sich jemand anderer müht und nichts investieren will, ...)
  • Mangel an Vertrauen und Glauben / Kleinmut (was die Probleme immer größer erscheinen lässt, als Gottes Güte, Hilfe und Macht ... so dass man niemals wagt etwas zu tun, aus falscher Unsicherheit heraus, die Gott nicht zutraut, dass er auch korrigieren und vollenden kann ... Dabei leugnet man eigentlich Gottes Gnade in dem Maß, als man sich selbst und die Probleme wichtiger nimmt und ernster nimmt, als Gottes Zusagen ...)
  • Eitelkeit (die sich keine Blöße geben will und lieber hinter der Maske der Unentschlossenheit versteckt bleibt um auch ja keinen Makel oder Mangel preis zu geben, der eigene Schwäche, Fehler, ... aufdeckt - und dabei vergisst, dass Gott die Ehre gebührt ...)
Diese Liste, warum man sich nicht entscheiden kann oder will, ließe sich noch sehr lange fortsetzen, denn wo der Mensch alles an sich selbst misst, wird er kein gutes Maß finden. 

Paulus fürchtet sich nicht, ein Gebiet zu umgehen, das Gott offensichtlich (noch) nicht für ihn vorgesehen hat. Dafür scheut er sich aber auch nicht, freimütig und voll Gottvertrauen einfach in unbekannte Gebiete zu eilen, wenn Gott ihn ruft. 
Wenn er merken sollte, dass er sich "verhört" hat, würde er sicher in eben so großer Demut und im Vertrauen auf Gott einfach umkehren und dem folgen, was er zur Ehre des Herrn als Auftrag erkennt. (Eine gute Unterscheidung ist dabei, ob man es gleichermaßen tun würde, wenn es Schmerz oder Freude, Ehre oder Demütigung, Freiheit oder Gefangenschaft, ... bedeutete. Dann kann man davon ausgehen, dass man es um Gottes Willen tut und nicht aus einem falschen Vorteilsstreben oder einem völlig verdrehten Selbsterlöserkomplex heraus.)

Der Antwortpsalm drückt es so aus: "Dient dem Herrn mit Freude"!
Diese Freude wächst aus der Zuversicht und Freiheit, die sich nicht vor sich selbst fürchten muss und auch nicht vor der Welt oder den Umständen ... sondern die sich von der Allmacht und Liebe Gottes getragen weiß.



Im Heiligen Evangelium sagt Jesus seinen Jüngern, dass sie nicht darauf schielen sollen, wie es ihnen selber ergehen könnte.
Ganz klar verheißt er ihnen, dass sie ihm wirklich ähnlich werden dürfen. Es soll uns nicht erschüttern, erschrecken oder überraschen, wenn wir nicht überall geehrt, geachtet und geliebt werden. Das ist es, was der Stolz in uns und unser verdrehtes "Hab mich doch bitte lieb - Gehabe" fürchtet. 
Wir sollen nicht etwas tun, weil es uns Ansehen, Vorteile und fragwürdige "Club-Mitgliedschaften" in der Welt verheißt, sondern so handeln, wie der Herr gehandelt hat - weil es der Wille des Vaters ist, den der Geist uns offenbart.
Wie wenig erschütternd ist dann, wenn es uns ergeht, wie es dem Herrn erging? 
Wenn es uns um Gott geht und nicht zuerst um uns selbst, dann werden wir sogar wie Paulus fähig werden, dass wir uns geehrt fühlen, dass wir dem Erlöser ein klein wenig ähnlich werden dürfen und für die Menschen sogar zum Segen in unserem Leid werden können, die uns genau dieses Leid zugefügt haben. 

Das wäre echte Nachfolge! 
Für die gerne alles zu opfern, die uns alles nehmen. 
Für die das eigene Leben hinzugeben, die es uns wirklich zerschlagen ...
Statt jammernd und wehklagend in den düsteren Staub der Welt zu starren, weil sie uns nicht als ihresgleichen liebt und ehrt, ... dürften wir wie Stephanus zum Himmel aufblicken, den Himmel offen über dem Dunkel der Welt erkennen und Gott preisen, weil er uns würdigt, ihm ähnlich und sogar in unserem Elend noch zum Segen zu werden. 
So werden wir in die heilige Miterlöserschaft hinein getragen, die uns Anteil am Kreuz und darin auch an der Auferstehung Christi schenkt, damit durch uns im Sohn und im Heiligen Geist der Vater verherrlicht ist, wenn wir unser Leben hingeben, für das Leben unserer Brüder und Schwestern.
Statt beliebt zu sein und "aalglatt" durch diese Welt zu kommen, unangreifbar, profillos und im Toleranzsumpf gut verborgen, ... dürfen wir Profil zeigen, dürfen wir das heilige Angesicht Gottes aufleuchten lassen und Zeugen seiner Herrlichkeit werden, die sich gerade in unserer Schwäche und Armut offenbaren will.

Welche Ehre wählen wir?
Die Ehre der Ebenbildlichkeit Gottes - oder die zweifelhafte Ehre des Dunkels dieser Welt?
Die Ehre der Nachfolge Christi - oder die zweifelhafte Ehre des Mainstream?
Die Ehre der Wahrheit - oder die zweifelhafte Ehre der Toleranzseligkeit, die sich nicht festlegt, nicht bekennt und letztlich alles verliert, weil sie nichts wirklich tragen und ertragen wollte. ...

Es gibt einen "geistlichen Ehebruch", der die Liebe Gottes verrät, um mit der Liebe der Welt zu spielen! 
Wie sehr "prostituiert" man sich doch, wenn man überall versucht, sich so zu präsentieren, dass man von jedem daherglaufenen "Freier" beachtet und gekauft wird, ... und dafür den heiligen Ehebund der Gebote Gottes, der Treue Gottes, seine Liebe ... verrät, um von "all den Anderen" AUCH geliebt zu werden - statt der EINEN LIEBE treu zu sein.

Wir gehören nicht dieser Welt und sie kennt Gott nicht. 
Doch wir wollen nicht mitschuldig an dieser Unkenntnis sein, weil wir uns geweigert haben, sein heiligstes Angesicht in diese Welt hinein zu tragen - aus Furcht, man könnte uns als "Fremde" nicht mehr mögen, ausschließen oder uns etwas antun ...

Wollen wir Zeugen Gottes sein, damit die Welt erkennt, wie groß die Liebe ist, mit der Gott diese Schöpfung heimholen will, vergeben, heilen und vollenden will, ...?
Wollen wir Zeugen Gottes sein, damit die Welt glaubt und erkennt, dass es einen Himmel gibt, dass es den einen und ewigen Gott gibt, der uns an sein Herz ziehen und aus aller Gebrochenheit und Not dieser Welt erlöst?
Wollen wir Zeugen sein? Wie hoch darf der Preis sein - angesichts des Preises, den der Herr für uns bezahlt hat?

Was auch immer uns im Namen Gottes "drohen" könnte - es will uns wahrhaft ehren, denn es offenbart, dass wir zum Herrn gehören und dass wir IHM ähnlich sind.
Wer uns begegnet, sollte sagen können: "Oh sieh mal! Ganz der Papa (im Himmel)". 


Gebet:

VATER im Himmel,
schenke uns den HEILIGEN GEIST, 
DER uns allezeit offenbart,
was DEIN heiligster Wille uns anvertraut 
und wohin wir gesendet sind.
Lass uns voll Freude und Mut 
immer der Wahrheit die Ehre geben,
wenn wir DEINEM göttlichen Sohn 
auch im Leiden und in der Not ähnlich werden dürfen,
damit an uns 
auch die Herrlichkeit der Erlösung aufstrahlen möge,
damit die Welt glaubt 
und DICH erkennt 
und in DIR Heil und Rettung findet.
Sei verherrlicht in uns, 
durch JeESUS CHRISTUS 
im HEILIGEN GEIST,
DER DU alle Zeit
allen Lobes würdig bist. 
Amen.


© 03.05.2013 / 13.05.2012 Michaela Voss 
Die Gedanken und betrachtenden Texte dieser Seiten unterliegen dem Urheberrecht und verstehen sich als persönliche und private Impulse zum Nachdenken (unbeschadet der unbeschränkten Anerkennung aller kirchlichen Lehräußerungen).



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